Hallo, herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Marcs kleine Welt. Der Podcast, der dich dabei unterstützen soll, Veränderungen besser zu meistern, leichter damit umzugehen und vielleicht sogar im Lauf der Zeit die Veränderungen bewusst herbeizuführen, nicht nur in Kauf zu nehmen als Nebenwirkungen von Leben. Denn das ist so ein bisschen der Startpunkt für die heutige Sendung. Ich mag das, wenn du mal anfängst dich umzuschauen in deiner Welt, bei den Menschen, mit denen du zusammen bist, dich umgibst: Arbeitskollegen Freunde, Bekannte, Familie, vielleicht auch Familie. In der Familie ist ja häufig die Möglichkeit, dass man Menschen auch über längeren Zeitraum beobachtet und das mag auch bei deinen Freunden so sein. Also, ich sag mal einfach die ganz normalen Menschen, die du beobachtest. Du könntest dann auch immer mal anfangen, über dich selbst nachzudenken. Wie gehst du mit Veränderung um? Was macht Veränderung mit dir? Also, ich sag mal, da brauchen wir jetzt keine Philosophen zu sein, da brauchen wir keine große Welle zu machen:

Veränderung ist zwangsweise, ist Bestandteil dieses Lebens, Bestandteil vermutlich dieses Universums.

Aber lass uns im Moment mal bei dir bleiben, weil das Haus, in dem du lebst, wird in X Jahren von heute – das können 10, das können 50 sein, das können 100 sein, vielleicht sogar 200, das ist schon echt lange – aber vermutlich dann nicht mehr da sein. Oder komplett nachgebaut oder, wie auch immer, einmal komplett zerfallen und wieder aufgebaut… Vielleicht wird es auch etwas ganz Neuem gewichen sein, das was wir alle jeden Tag erleben. Die meisten Bäume, die du siehst, werden in 100 Jahren nicht mehr da sein. Vermutlich von Menschenhand gefällt und hoffentlich durch neue Bäume ersetzt. Vielleicht auch durch einen Sturm umgefallen. Und dann gibt’s Bäume, die leben 300 Jahre, 500 Jahre. Wenn das stimmt, dass der Baum immer noch existiert auf Sri Lanka, unter dem Buddha seine Erleuchtung erreicht hat, erlangt hat, irgendwie, sowas keine Ahnung, 500 vor Christus. Dann wären das zweieinhalbtausend Jahre. So, dann sagen wir halt mal 4000 Jahre, 5000 Jahre, kann auch länger sein. Nur, die allermeisten Bäume werden spätestens in ein paar hundert Jahren nicht mehr da sein und ganz viele Bäume, die du heute kennst. Und ich werde deshalb Bäume sagen, weil es von denen Pflanzen, die ich kenne, wohl die sind, die am längsten bleiben. Also, bei Tulpe brauchst du jetzt schon gar nicht mehr zu reden, die ist viel schneller weg. Und selbst wenn die Tulpenzwiebel überlebt, dann kommt die eben ein paar Jahre und dann ist auch gut. Aber die Veränderung, und darauf will ich ja hinaus, is given. Ich will jetzt gar nicht mal sagen, dass du eines Tages stirbst wie wir alle und das wäre ja auch ein natürlicher Prozess und du kannst es an dir beobachten.

Lass uns einfach im Außen gucken. Die Veränderung ist normal.

Die Veränderung ist das Normalste und an sich ist es damit vollkommen unlogisch, warum Menschen Stress darauf haben, warum Menschen gestresst sind, wenn sie Veränderungen erleben. So, da kannst du jetzt noch mal in die Definition gehen, unterscheiden: Nee, das ist eine gewollte Veränderung, das ist natürliche Veränderung, das ist eine Veränderung, die ich selbst herbeigeführt habe, das eine Veränderung, die jemand anders herbeigeführt hat. Zum Beispiel jemand, der dich verlassen hat oder ein Chef, der entschieden hat, dass er mit dir nicht mehr zusammen arbeiten will oder ein Arbeitskollege, der sich versetzen lässt, weil er nicht in deiner Nähe sein möchte oder eine Freundin nicht mehr dein Freund sein will oder deine Freundin, weil die entschieden haben: Nee. Oder die verlassen das Land oder irgendwas Anderes. Das heißt, ich möchte, das ahnst du schon, darauf hinaus, dass du irgendwie so mit zunehmendem Alter Präsens auf dem Planeten, Leben auf dem Planeten anerkennst. Das ist jetzt nicht ungewöhnlich.
Ich würde halt genau den anderen Weg gehen. Ich würde sagen, es ist vollkommen normal, Veränderung vollkommen normal. Hinnehmen, lieben, sich daran gewöhnen oder so. Das heißt ja auch andersrum, und deswegen macht ja dieser Podcast hoffentlich auch für dich eine Menge Sinn, und das ist der Grund, warum ich ihn für dich jede Woche produziere.

Ich möchte dir Wege zeigen mit dieser Veränderung, die zwangsweise erfolgt – von dir herbeigeführt oder nicht – auf natürliche Art und Weise, tot, überfahren werden oder eben nicht mehr da sein – ja, wenn wir jetzt so die heftigen Fälle nehmen – oder auf welche Weise auch immer herbeigeführte Veränderungen. Tja, dass du damit deinen Frieden machst. Dass du erkennst: das gehört dazu. Und mehr als das. Vielleicht wäre es ja sogar möglich, dass du aktiv mit Veränderungen umgehst. Und mit aktiv meine ich jetzt nicht hektisch betriebsam sein. Mit aktiv meine ich nicht so: „Ja und jetzt kämpfe ich dagegen an oder kämpfe überhaupt nicht mehr oder mach innere Prozesse und arbeite ganz viel an mir.“ Sondern ich glaube, das ist der erste, allererste Schritt, egal, wo du jetzt gerade stehst in deinem Leben und egal was gerade ist. Also, kann ja sein, dass gerade irgendwas passiert ist. Ich bekam gestern eine Nachricht von einem Teilnehmer, der schrieb, seine Frau hat ihn verlassen. So und das war nicht abzusehen und jetzt kennt er schon bisschen die Ideen, für die ich stehe und die ich in meinen Seminaren lehre und der sagt:

„Marc, ich bin ganz klar. Ich stell mir vor, wie meine Frau in einem Jahr von heute wieder fröhlich mit mir zusammen ist, und dann wird alles wieder gut seinm sie wird erkennen, (das hat er so nicht geschrieben. Ich texte mal ein bisschen dran), sie wird in einem Jahr von heute erkannt haben, was ich für einen fantastischer Mann bin, einfach großartig, wird reumütig zurückkehren. Ich werde großzügig sie wieder bei mir aufnehmen (Das hat er alles nicht geschrieben, ne?), aber ich weiß jetzt, wie es geht und fertig“.

Ja, jetzt kennst du mich vielleicht noch nicht so lange. Ich sage dir, was meine Antwort war. Meine erste Antwort auf diese Nachricht war, dass ich gesagt habe: Lass sie los, wünsche ihr Glück. Wenn es stimmt, dass du sie wirklich liebst, dann wünschst du ihr doch alles Gute. Das dürfte doch normal sein, oder nicht? Also ich möchte, dass du jetzt da aktiv mal drüber nachdenkst. Muss jetzt nicht jetzt gleich sein während du mir zuhörst, kannst du auch heute Abend machen in der Badewanne, morgen früh beim Joggen oder beim Schwimmen oder bei der Autofahrt. Du könntest jetzt auch, wenn du gerade Auto fährst, diesen Podcast mal kurz auf Pause drücken, kannst sagen: Okay, sowas habe ich vielleicht schon mal erlebt. Vielleicht bist du schon mal verlassen worden. Vielleicht hast du selbst auch schon jemand verlassen. Aber lass uns mal an der Stelle bleiben: unerwartet, überraschend, für dich war es die absolut romantische Megatraumbeziehung.
Ich habe mich mit einer anderen Teilnehmerin darüber unterhalten und da ging es um ein wichtiges Stichwort zu diesem Thema: entlieben. Das kommt von der lieben Dagmar, einer Klassenkameradin von mir und sie hat dieses Verb geprägt: entlieben. Und ich finde es total schön, ich bin ihr super dankbar dafür, dass sie mir das geschenkt hat, weil ich mag das Wort. Und ich habe da jetzt schon länger drüber nachgedacht und mich beschäftigt mit mir selber und kam so zu dem Schluss:

Ich habe entlieben relativ früh gelernt.

Weil da war eine ganze Reihe von Mädchen in meiner Schule, die ich wirklich klasse fand und mit denen ich mich dann auch unterhalten habe und geflirtet habe und so und dann habe ich da ein Muster gehabt (Das habe ich damals noch nicht als Muster verstanden wie heute. Fand ich auch damals überhaupt gar nicht witzig). Und das Muster war, dass dann nach sehr intensiven Gesprächen, die manchmal einige Stunden dauerten und manchmal sich über einige Wochen sogar hinzogen -also, immer mal wieder Gespräche oder in einigen Fällen sogar über ein zwei Jahre – das Feedback am Ende ziemlich einheitlich war, so in der Richtung von: du bist wie ein großer Bruder für mich. Man kann sich so toll mit dir unterhalten. Das ist auch schön, das hat nicht ganz dem entsprochen, was ich beabsichtigt hatte in Bezug auf diese Damen, nur…Na gut, es war eine Form von Feedback. Jedenfalls, zurück zu dem Verb, was Dagmar geprägt hat: „Hast du dich schon entliebt?“ Ich habe das damals wirklich gut üben können. Ich war volle Kanne verknallt. Nee, natürlich nicht verknallt, das hätte das nie wieder gegeben, hätte ich auch so nie formuliert, ich war wirklich verliebt. Es war echte Liebe, die ich empfunden habe, ganz klar. Und aufgrund des Feedbacks, was ich bekam, hatte ich also Gelegenheit zu üben, wie man das macht sich zu entlieben. Und seitdem Dagmar mir das geschenkt hat, habe ich das jetzt immer mal wieder im Seminar gefragt: Wer kann entlieben? Und da kam mal neulich eine lustige Stelle bei einem Teilnehmer (mehr oder weniger lustig), der Teilnehmer sagt: „Naja, entlieben wie geht denn entlieben? Ganz einfach, ich rede mir den Anderen so lange schlecht bis die Gefühle getötet sind.“ So, dazu gab es dann von einer anderen Teilnehmerin, mit der ich mich unterhalten habe, weil ich mit ihr genau über dieses Wort gesprochen habe, über entlieben und die irgendwie in meinem Modell von Welt einer älteren Beziehung, die kaputt ist, lange her ist, wo sie enttäuscht wurde – wie es vermutlich jedem von uns im Leben schon mal gegangen ist – mit ihr sprach ich über entlieben und die hatte immer noch Stress, dass sie damals verlassen worden ist. War auch keine schöne Geschichte, die sie mir erzählt hat, will ich jetzt nicht wiedergeben, nur natürlich gibt es die eine oder andere Art. Ich finde immer, man trennt sich irgendwie sehr fair und möglichst früh. Wenn man merkt, die Beziehung ist es nicht mehr, dann gibt man dem Anderen Hinweise und dann kann man sich sicherlich auch mal ein paarmal streiten und kann so richtig böse miteinander sein und kann dem Anderen sagen: Pass‘ mal auf, das passt mir jetzt hier nicht mehr und ich bin im Begriff auszuziehen oder ich überlege, ob ich heute Nacht schon, heute Abend schon ausziehe oder heute Morgen, wann auch immer. Und das kann zwei, drei Mal, viermal, fünfmal sein, das darf ja jeder für sich selbst entscheiden, da gibt man dem Anderen ein Feedback und sagt: Pass auf, diese Beziehung ist es jetzt nicht mehr. Oder vielleicht gibt’s ja auch andere Gründe, wo man sagt: Pass auf, ich habe das Gefühl, dass du nicht richtig glücklich bist, ich bin nicht richtig glücklich, wer lebt schon gerne mit einem unglücklichen Menschen zusammen über längere Zeit, was auch immer die Motive sind, das ist ja individuell verschieden, und dann sagt man halt irgendwann: So, jetzt ist Schluss, danke schön. Und man trennt sich.

Und natürlich gibt’s auch andere Arten. Es gibt Leute, die sich erstmal was Neues organisieren parallel und so, das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Ich gehöre nicht zu der Kategorie von Menschen, die das so mögen. Also, halber Schritt zurück: Die hat sich dann mit zwei Freundinnen unterhalten, die auch verlassen worden sind – das ist ein interessantes Muster an der Stelle – und die sich auch nicht entliebt hatten. Und die gesagt haben: Nein, also dieser Mann, der sie da verlassen hat und der jetzt mit einer anderen zusammen lebt, das wäre die Liebe ihres Lebens gewesen. Wo ich mir denke: „Äh, das kann ja nicht die Liebe deines Lebens gewesen sein, ne? Weil, woran merkst du das? Der lebt jetzt mit einer anderen zusammen, ne, der lebt nicht bei dir.“
So, jetzt kommt natürlich eine spannende Frage: Wer tut hier eigentlich wem weh, ne? Wenn ich mir jetzt vorstelle, okay, ich war mal mit jemand zusammen und sage: Das ist die Liebe meines Lebens immer noch, weiß aber, dass der schon mit einer Andern zusammenlebt oder sie mit einem Anderen zusammenlebt oder sie auch nur alleine lebt oder er auch nur alleine lebt, jedenfalls nicht mehr mit mir zusammen lebt und nicht mehr mit mir zusammen sein will.
Und ich behaupte immer noch, das wär die Liebe meines Lebens. Also, zum einen verbaue ich mir völlig die Zukunft damit, weil ich damit keine Option habe, einen noch besser passenden Menschen kennenzulernen oder einen auch super gut passenden. Ich weiß gar nicht, warum man Beziehungen vergleichen muss. Sondern man kann einfach sagen: Mit dem war ich glücklich und mit dem war ich glücklich und mit dem Menschen bin ich auch glücklich auf andere Weise. So, wie man seine Kinder auch auf unterschiedliche Weise liebt, warum soll das mit Menschen nicht auch gehen? So, jedenfalls hatte ich diese Teilnehmerin halt, die sagte: Nee, entlieben geht mit schlechtmachen. Und ich glaube, dass da in einem selbst dann auch nur Quatsch zurück bleibt, wenn du den Anderen dauernd schlecht machen musst, damit du nicht fühlst, wie sehr du den magst. Also, ich glaube, dass entlieben so nicht geht. Das hat man mit 15 gemacht oder mit 16 und es gibt bestimmt auch Leute die machen das mit 60 oder 50 oder 70 oder was auch immer, weil sie noch nie verlassen wurden. Da werden sie das erste Mal verlassen und dann machen sie die große Welle und machen die große Krise. Ich will kurz auf was Anderes hinaus hier und das habe ich gelesen bei einem südamerikanischen Autor, Gestalttherapeuten und so. Das ist eine super spannende These. Er unterscheidet Schmerz von Leiden. Und ich glaube, dass diese Frauen (und es gibt bestimmt auch Männer da draußen), die behaupten, sie wären mit der Liebe des Lebens zusammen gewesen und jetzt wär‘ das halt nicht mehr, die sind nicht durch den Schmerz gegangen, die vermeiden den Schmerz und wählen stattdessen das Leiden. Also, das ist der Unterschied von diesem Autor und das habe ich so verstanden, kann ich nur durch meine Worte wiedergeben. Ich mag das, ich mag die Art der Beschreibung.

Der Schmerz hat was mit mir zu tun, der ist nicht laut, der ist auch nicht Fragen stellend nach außen.

Also weder jetzt in dem Beispiel an Ex-Partner, Ex-Partnerin, noch (kann ja jetzt alles Mögliche sein) Ex-Arbeitgeber oder so. Also, da habe ich keine Fragen an diesen Menschen, der mir zum Beispiel jetzt fehlt, könnte ja auch sein, dass jemand gestorben ist, sondern Schmerz ist was, was in mir stattfindet und wo ich verstehe: den darf ich in mir lösen. Der hat auch mit dem anderen Menschen in dem Sinne nichts zu tun, dass der von außen kommt, sondern das ist in mir. Das ist ein Verlust, das ist vielleicht auch Empfinden von Schuld in mir, dass ich was falsch gemacht hätte oder so und dann kann ich den Schmerz fühlen, der in mir ist. Und der braucht auch kein Mitleid. Also, das kannst du vielleicht jetzt noch nicht nachvollziehen, kannst ja auch die Folge ein paar Mal hören und ich habe noch ganz viel Zeit, dir die Dinge zu erklären. Ich mag es nur mal so als Anfangspunkt, habe ich gedacht, in einer relativ frühen Folge, dass wir jetzt schon mal darüber reden.
Leid hingegen ist im Außen. Leid muss ich mitteilen, Leid ist der-hat-mir-was-angetan-ich-bin-die-arme-Sau-ich-bin-das-Opfer und da muss ich ganz viele Leute finden, die mir bestätigen, dass ich zurecht leide und da muss ich mich wehren gegen Leid, ne? Das wäre dann mit 15, wo wir das Mädchen auf dem Schulhof nicht mehr angeguckt hätten für zwei Wochen, ganz böse Sachen gemacht hätten. Einige von euch haben vielleicht ganz böse Sachen gemacht? Ich kann mich zumindest nicht erinnern, dass ich einer dieser Damen irgendwas Böses angetan hätte. Auch wenn es wehgetan hat, es war Schmerz in mir und dann habe ich lernen dürfen, mich zu entlieben, indem ich meinen Schmerz handle. Und ich hab das irgendwann mal mit einer meiner Töchter diskutiert, die unglücklich verliebt war, und wo ich gesagt habe:

„Hör mal, wenn du doch diesen Menschen liebst und er liebt dich nicht zurück, wieso ändert das was an deinem Gefühl, dass du den liebst?“

Und ich finde es eine schöne Idee. Also egal, ob jetzt da eine Beziehung war oder keine Beziehung war. Ich mag das, dass man darüber nachdenkt. Liebe ist doch, genau wie der Schmerz dann hinterher, das ist doch ein Gefühl in mir.
So, ich finde es ist völlig in Ordnung wenn ich mit jemand anderem rede und sag: „Ja, das tut ein bisschen weh in mir“ und so und ich weiß ich habe mich mit mir selbst zu beschäftigen, dass ich da an einer bestimmten Stelle aufgrund bestimmter Umstände im Außen Schmerz empfinde. Das ist schon okay, dann geh da rein.
Und dieses Leiden – das sagt eben dieser wundervolle Gestalttherapeut ganz toll, der ist aus Südamerika – er sagt dieses Leiden, das ist eben laut. Das verlangt nach Mitleid. Haha, cool, ne? Und dann muss ich allen möglichen Leuten erzählen, dass mir irgendwas passiert ist. Und das war spannend an diesem Beispiel von dieser Frau, die verlassen worden ist schon vor Jahren. Die leidet da heute noch drunter, die fühlt sich immer noch als Opfer, die erzählt immer noch die Geschichte, dass sie verlassen wurde und auf welche Weise und dass er dann eine Andere hatte und eine Exfrau und was nicht alles. Sozusagen da ist immer noch ganz viel Leiden. und der Schmerz. Wenn ich da reinfühle, dann fühle ich immer noch wie dieser Mensch leidet.
Und die These, also noch mal zurück: die These ist, dass Menschen sich dem Schmerz da an der Stelle nicht öffnen – und jetzt wieder zurück zum Anfang – im Schmerz, der entstehen kann durch jegliche Art von Veränderung. Vielleicht bin ich nicht mehr so jung wie ich sein wollen würde. Vielleicht bin ich nicht so schlank wie ich sein wollen würde, vielleicht bin ich nicht so attraktiv wie ich sein wollen würde und vielleicht bin ich auch einfach nur nicht so braungebrannt wie ich gerne sein wollen würde, vielleicht bin ich nicht so intelligent wie ich sein wollen würde und so fort. Das Eine ist Veränderung, das Andere ist vielleicht, dass ich einfach erkenne, dass ich die ganze Zeit hinter einem Trugbild hergelaufen bin von mir selbst und jetzt findet ja auch da Veränderung statt. Ich darf mich selbst einfach mal in Ruhe im Spiegel anschauen und sagen: „Hey, das bist jetzt du“. Da kannst du jetzt den Rest des Lebens gegen ankämpfen oder – hier ist wieder das Wort – du veränderst dich und nimmst an: du bist dieser Mensch. Und das würde jetzt genauso gelten, wenn dich jemand verlassen hat. Gestorben, Beziehung beendet, Kinder aus dem Haus gegangen. Wenn du verlassen wurdest oder selbst das Verlassen herbeigeführt hast, dann gibt’s eben diese beiden Wege in der These dieses Autors: du kannst jetzt den Schmerz annehmen und sagen „Ok, das hat weh getan“ und ich erinnere mich an diese Zeit mit 15, 16, 17 als ich angefangen habe entlieben zu lernen, das hat weh getan.

Auch in einer Beziehung zu sein und Schluss zu machen, auch in der Beziehung zu sein, in der der Andere, oder in meinem Fall die Andere dann Schluss macht. Das war wirklich Schmerz in mir.

Und nochmal: die natürlichste Reaktion der Welt bei jungen Menschen ist, ganz klar: den projiziere ich nach außen, dann wird es Leid. Dann sag ich: die hat mich verlassen, die hat mir wehgetan, der hat mir wehgetan, weil er das und das getan hat. Und dann hast du eben diese Komponente. Dann kannst du auch – und das ist ein bisschen spannend – dann kannst du jetzt entscheiden, dass du den Rest des Lebens drunter leidest. Und das passiert, meiner Meinung nach, mit Menschen die behaupten, sie wären einmal mit der Liebe ihres Lebens zusammen gewesen. Das macht keinen Sinn. Du hast zu dem Zeitpunkt diesen Menschen wirklich geliebt und es ist wunderschön und da kannst du dich jetzt positiv daran erinnern und dann kannst du den loslassen und dann ist auch wieder gut, ne?
Oder möchtest du wirklich weiter leiden unter der Veränderung? Das ist so ein bisschen die Frage, die ich dir diese Woche mitgeben möchte. Ist das deine Entscheidung jetzt? „Ja, aber ich werde dem Anderen auch wehtun!“ Hm, okay, dann nehmen wir an, du kannst ihm auch Schmerzen zuführen oder zufügen. Dann ist die Frage, ob der leidet, ob der sich dazu entscheidet, genau wie du, auch zu leiden. Oder ob der einfach sagt: „Ah, okay, da taucht wieder Schmerz auf“. Hm, okay, was ist überhaupt der Schmerz? Ist es die Enttäuschung? Enttäuschung – da könnten wir dann uns nächste Woche noch mal drüber unterhalten – ist ja wieder ein anderes Thema. Oder geht der mit dir ins Leiden? Dann leidet ihr beide, das wäre auch sehr witzig, ja? Das ist natürlich nicht witzig, Entschuldigung, dass ich so ironisch bin, nur: ihr könnt jetzt beide leiden.

Macht es Sinn, mit anderen mitzuleiden?

Und das Andere, was ich jetzt zum Schluss dieser Sendung dir noch mitgeben möchte ist – und wir werden da sicherlich noch häufig darauf zu sprechen kommen – mitleiden. Wenn deine Freundin verlassen wurde, dein Freund, in meinem Fall, wenn Teilnehmer mit mir reden und mir erzählen von Dingen, die wirklich schlimm sind, mitleiden ist es irgendwie auch nicht, ne? Weil dann leidest du ja auch. Das heißt, da wird es dann vielleicht für dich jetzt nochmal deutlich: da ist jemand, der hat entschieden in Bezug auf eine Veränderung im Leben zu leiden. Also nicht den Schmerz zu empfinden, sondern den Schmerz, den er innen drin fühlt, zu vermeiden, dafür ins Leiden zu gehen, anderen Leuten die Schuld zu geben, sich als Opfer zu fühlen, die eigene Veränderung zu vermeiden, immer weiter zu jammern, dass das, was man mal hatte, nicht mehr wahr ist. Und dann sucht er sich andere Leute, die mit ihm mitleiden, bei denen er jammert und im schlimmsten Fall sind das dann Leute, die auch noch leiden unter einer vergleichbaren Situation. Deswegen verstehen die den ja so gut und die leiden auch nach Jahren noch, manche Menschen, wie gesagt, ihr ganzes Leben lang, und dann wird das so ein Treffen der Leidenden. Und ich glaube, da hast du nach dieser Folge jetzt eine Menge Themen, über die du in Ruhe nachdenken kannst.

Willst du dich nicht doch lieber verändern, sag mal?

Und ich weiß, dass das wirklich weh tut. Ich weiß, dass der Schmerz temporär wirklich eine Zeit lang richtig wehtun kann. Und das ist sozusagen das, was ich diesem Teilnehmer geschrieben habe. Ich habe gesagt: Hör mal, mach deinen Frieden damit, sie ist gegangen, okay. Wünsche ihr doch Glück und dann nimm den Schmerz in dir und der ist in Ordnung, ja? Wenn sie dich jetzt verlassen hat, das ist okay, dass du da traurig bist. Es ist okay, dass du Schmerz empfindest. Der wird nicht davon weggehen, dass sie in einem Jahr entscheidet, dass sie wiederkommt. Sondern sie ist aus einem bestimmten Grund gegangen, der ist auch völlig okay, den kannst du sowieso nur akzeptieren. Sie ist auf eine bestimmte Art und Weise gegangen, auch das kannst du nur akzeptieren, das ist nämlich Fakt. Und jetzt gibt’s nur noch – und das gilt für alle Veränderungen, denen du dich im Leben ausgesetzt fühlst – jetzt gibt’s wirklich, wirklich, wirklich nur noch einen Punkt um den es geht: wie gehst du mit der Veränderung um? Und fängst du an, das Leben zu planen nachdem das geschehen ist, nachdem sie dich verlassen hat. Fängst du an – und natürlich ist der einfachere Weg und da bitte lass dir Zeit mit, ich erklär dir das noch in aller Ruhe, ist der einfachere Weg, dass du diesen Menschen, den du mal geliebt hast und vielleicht bei dem du sogar jetzt im Moment noch das Gefühl hast, dass du ihn oder sie liebst – dass du den einfach weiter liebst und loslässt? Weiter liebst und loslässt. Weiter liebst und loslässt. Weil, du darfst erkennen, dass was den Schmerz in dir auslöst (nicht das Leiden, aber den Schmerz) ist das ständige Vorstellen von dem Verlust, der dir widerfahren ist. Also, du vergleichst die aktuelle Situation, zum Beispiel in dem Fall die Einsamkeit mit dem wir-könnten-doch-noch-zusammen-sein. Und das macht den Schmerz aus. So und da Veränderung unvermeidbar ist, habe ich eine Empfehlung. Geh einfach an die Stelle: sie ist weg. Sie ist jetzt weg. Geh damit um. Und jetzt plane, willst du jetzt alleine sein, möchtest du für dich sein und den Schmerz sozusagen durchleben und damit auch auflösen, auch wenn es manchmal sich so anfühlt, als würde der nie wieder weggehen.
Ich merk schon, die Sendung wird ein bisschen lang. Also, ich mache jetzt einfach mal hier ein Päuschen, schick dich mit all diesen Gedanken in die Woche, hast eine Menge nachzudenken, hoffe ich, freue mich wenn du nächste Woche dabei bist. Ich verspreche, ich mach weiter, ich hol dich da raus, ja? Dafür ist dieser Podcast angetreten und wenn es 100 Folgen dauert. Ich möchte dich – und kann ja auch 500 dauern, ist ja völlig egal – ich möchte Dich dabei unterstützen, dass du dich veränderst, ne?

Immer schön dabei bleiben. Du willst die Themen auflösen, die du hast. Das ist der Grund, warum du diesen Podcast hörst, warum du dranbleibst, du willst wirklich vorankommen mit deinem Leben, willst alte Ängste auflösen, alte Probleme, alte Schmerzen, was immer da ist, weil du frei sein möchtest, ein freies schönes, wunderschönes Leben gestalten möchtest.

Also, freue ich mich jetzt auf nächste Woche, auf die nächste Folge. Ja und die Themen sind ja jetzt schon klar, ne?
Also bis nächste Woche, tschüs!