Hi, hallo, herzlich willkommen!

Hier ist Marcs kleine Welt, der wöchentliche Podcast von und mit Marc Pletzer. Ja, hier bin ich wieder. Schön, dass du wieder dabei bist, schön, dass du dich weiter verändern möchtest und schön, dass Du hoffentlich geträumt hast. Geträumt hast von deiner Zeit als Jugendlicher, als junger Mensch, geträumt hast von den Dingen, die du damals gerne gemacht hast und damit mehr Bewusstheit erlangt hast. Bewusstheit für das, was du magst, Bewusstheit für dich, deine Vorlieben, deine Wünsche, deine Träume. Die, die du damals vom Leben hattest.

Es kann sein, dass du als Kind eine Menge Wünsche hattest, Träume hattest und die häufig gewechselt haben.

Ich beobachte das heute bei Teilnehmern, die in meine Seminare kommen, dass die sagen: „Ja, Marc, ich kann mich dafür begeistern, das würde mir Spaß machen, ich weiß gar nicht, was es so recht ist. Ah und das könnte ich mir auch vorstellen. So nach dem Motto egal, was ich mir vorstelle, ich kann mir alles vorstellen, ich kann alles machen. Ich kann alles machen und deswegen weiß ich überhaupt nicht, was ich machen soll“. Das ist definitiv auch ein Thema und ich glaube, dass das mindestens in Teilen daran hängt, dass diese Menschen nicht genau genug hingucken, was sie mögen.
Lass mich das noch mal an einem Beispiel deutlich machen, was ich letzte Woche erzählt habe. Also bei mir war es so: Ich bin im Alter von 15 und dann mehr noch mit 16, 17 und so super gerne mit jungen Frauen, jungen Damen ins Kaffeehaus gegangen, irgendwo in ein Café, wo man gemütlich sitzen konnte oder irgendeine Kneipe. Ich weiß noch Café Fritz in Remscheid. Gott, war das schön. Und da gab es Cappuccino und das war damals noch mit so aufgeschäumter Sahne und ein bisschen Kakaopulver oben drauf und einen Keks natürlich am Rand und es war eine riesengroße Tasse und natürlich habe ich damals noch geraucht wie ein Schlot und es gehörte damals definitiv zum Erwachsensein dazu. Und in solchen Kaffeehäusern und zum Teil auch in Teestuben – Ja, der ein oder andere, der jetzt zuhört, erinnert sich an Wildkirschtee oder Vanille. Es waren  immer schwarze Tees, das heißt, danach war man wirklich topfit. Schwarze Johannisbeere, der war auch lecker, also ein bisschen künstlich vielleicht. Aromatisierte Tees. –  also da habe ich mich getroffen mit diesen jungen Damen, habe ihren Problemen zugehört, habe gelernt zuzuhören. Aktiv würde man das heute nennen, aktiv zuzuhören, wirklich bei den Erzählungen zu sein, zu verstehen, wie sie Probleme machen. Der Hauptantrieb – und das ist das, was mir wichtig wäre – war dieses genau hinschauen. Ja, meine Idee ist, wenn du jetzt diese Selbstbewusstheit entwickeln möchtest, bleib da nicht stehen. Bleib nicht an dem Punkt stehen, wo du sagst: „Okay, gut, im Teehaus getroffen ab und zu mal, bisschen geflirtet, bisschen gequatscht und dann wieder nach Hause gegangen“.
Ich brauche das oder du brauchst das oder es wäre gut, wenn du das genauer hättest: Was war das, was dich motiviert hat zu diesen Gesprächen? Und ich kann für mich ganz klar sagen: Ich wollte helfen. Ich wollte die voran bringen. Ich wollte ihre Probleme lösen. Das wäre so mein großer Traum gewesen, die Probleme von Menschen zu lösen. Ich kann das heute.

Laszlo Kish und ich sind in meinem Hörbuch da vorbei gekommen, wo es genau um dieses Thema Träumen ging.

Und Laszlo so (ich kann es nur grob wiedergeben, es ist ein bisschen her, dass wir das produziert haben) und Laszlo nur so: „Guck da mal“, naja, er wisse nicht so genau und Traum und so „Ist ja okay, aber wie wäre es denn mit Heilen?“ Ich sag: „Naja, gut, also Heilen, das wäre schon ein Traum“. Mir ist das zu hoch, ich weiß gar nicht, also ja, es gibt bestimmt einen Teil in mir, der gerne heilen können würde, so richtig so Jesusmäßig. So du berührst jemanden einmal und dann ist die schwere Krankheit aus ihm verschwunden. Das fände ich irgendwie schon cool. Und selbst wenn es dir so gehen sollte, dass du das auch so empfindest oder so ähnlich oder wie auch immer, da wäre zum Beispiel eine spannende Frage, warum. Was ist das, was dich daran so reizt? Weil es könnte ja sein, dass der ein oder andere jetzt zuhört und denkt: Oh ja, das wäre cool hey, wenn man so richtig zaubern könnte. Also nicht jetzt als Trick, sondern sowas wie Menschen berühren oder auf Wasser laufen, auch schon mal nett. Und irgendwie so richtig, man hätte es richtig drauf. Das wäre schon cool, weil zum Beispiel – könnte ja sein, dass du das denkst – mich dann viele Leute bewundern würden. Die würden dann zu mir aufschauen, würden mich fragen: „Boah, wie machst du denn das, du bist so cool, hey, du kannst über Wasser laufen und Leute heilen. Krass, krass, super! Ich will dich kennenlernen, kannst du mich mal anfassen?“

Also da würde es primär um die Berühmtheit oder um die Anerkennung gehen und ich finde es super wichtig, dass du an solchen Stellen jetzt, weil du ja mit dir alleine bist, ehrlich zu dir bist. Ich finde es nicht schlimm.

Ich kann dir das als Beispiel sagen. In meinem Beruf zum Beispiel wenn ich Vorträge halte und als Trainer ist es nicht anders: es gibt schon eine Menge Kolleginnen und Kollegen da draußen, die diese Seminare und auch Vorträge nur aus einem oder im Wesentlichen aus einem Grund geben. Sie wollen Anerkennung, sie wollen bejubelt werden, beklatscht werden, sie wollen unglaublich wichtig sein. Das sind dann zum Teil auch diese Trainer, die müssen unbedingt 1000 oder noch besser 5000 Leute im Seminar haben, müssen unglaubliche riesige Menschenmengen aktivieren und dann fühlen sie sich ganz stark und wissen vorher schon, dass sie 30, 40, 50 % der Leute, die da kommen, verlieren. Verlieren im Sinne von: die kommen nicht mit oder die lassen sich nicht motivieren oder wollen gar keine Adler sein oder so und das ist okay. Sei ehrlich zu dir. Wenn das deine Motivation wäre – wir bleiben noch mal bei dem Beispiel heilen können, damit andere mich bewundern – gut, okay, ist doch nicht schlimm. Sei doch ehrlich. So, die Leute werden es sowieso merken. Weil das ist der entscheidende Punkt: die Menschen merken, warum du die Dinge tust, die du tust. Sie merken, ob du es ernst meinst mit ihnen, ja? Also in meinem Beispiel von vorhin, diese jungen Damen, diese Mädchen, mit denen ich mich da irgendwie im Kaffeehaus oder so oder im Teehaus getroffen habe, in der Teestube, die hätten das gemerkt wenn mein Zuhören nur ein Vorwand gewesen wäre, um mit ihnen Zeit zu verbringen. Und ich kenne – das ist jetzt erstaunlich – aus der Zeit keinen anderen Jungen aus meiner Klasse oder so aus der Umgebung, die Jungs, die ich kennengelernt habe, der sich so viel Zeit mit Mädchen genommen hat wie ich, um ihnen zuzuhören. Es gab jede Menge Jungs, die sind zum Beispiel mit Mädchen in die Disco gegangen, zum Tanzen und dann, was weiß ich, zum Flirten und knutschen und sonst irgendwas. Das war ja alles harmlos damals. Heute ist das anders, aber damals war das alles harmlos, selbst als wir 18, 19, 20 waren, war das alles harmlos. Nur unabhängig davon, es gab eine bestimmte Absicht, die Dinge zu tun. Auch Freunde von mir hätten sich mit Mädchen getroffen, um mit denen was anzufangen, anzubändeln. Ja, die hätten denen auch ein bisschen zugehört und dann wären sie irgendwie angenervt gewesen. Und ich erzähle das vor allen Dingen aus einem Grund: damit du diese genauere Bewusstheit entwickelst. Ich will, dass du wirklich auf den Punkt sagen kannst: Was war an der damaligen Tätigkeit das, was dich wirklich, wirklich motiviert hat? Vielleicht hast du eine Menge Sport gemacht in der Hoffnung, dass der Trainer dir Anerkennung gibt. Vielleicht hast du eine Menge Sport gemacht, weil du dich gerne bewegt hast. Vielleicht hast du eine Menge Sport gemacht, weil du Medaillen gewinnen wolltest. Es mag all diese Gründe geben, die sind nicht gut oder schlecht.

Nur Selbstbewusstheit bedeutet, dass du für dich klar kriegst: worum geht’s dir?

Und ganz ehrlich, ich habe eine Menge Teilnehmer, auch im Seminar, die zu mir kommen, die sagen: „Marc, ich möchte auch so wie du als Trainer arbeiten, will Menschen voranbringen und ich will, dass die mir dann abends applaudieren.“ Ich sag: „Ja, ist gut, ich mag das auch gerne, wenn die abends applaudieren und das ist nicht der Grund, warum ich diesen Job mache. Ich mache diesen Job, damit du das Leben deiner Träume lebst. Und wenn sich aufgrund der Seminare, die ich gebe – das ist mein Credo – ein einziger Mensch auf diesem Planeten verändert, wenn sich ein einziger Mensch aufgrund meiner Arbeit, aufgrund dieses Podcasts, aufgrund der Bücher, die schreibe, der Hörbücher, die ich produziere und der Seminare, die ich gebe, wenn ein einziger Mensch sein Leben verändert, dann hat sich mein Leben gelohnt.
So, die jungen Damen, die ich damals, ich sage jetzt einfach mal beraten habe und die Beratung hatte keine hohe Qualität, aber sie war sehr bemüht und sie war sehr intensiv und sie war voller Liebe, diese jungen Damen haben nur zum Teil von meinen Tipps profitiert, glaube ich. So, es war bestimmt schon hilfreich, dass ich überhaupt mal aufmerksam zugehört habe. Da war jemand, der sie verstanden hat und vielleicht hätten sie mit ihren Eltern hoffentlich nicht über diese Themen reden wollen. Und natürlich gab es auch viele allgemeine Themen, die wir damals dann vielleicht in größerer Runde diskutiert haben. Ich erinnere mich, meine Eltern hatten ein Kaminzimmer im Haus. Und ich habe dann auch so in dem Alter von 16 oder 17 ab und zu mal nachmittags, es war eine ganz tolle Phase, eher so im Winter 5, 6, 7, 8 Freunde eingeladen, also eher Jungs, zum Teil waren Mädchen dabei, aber ansonsten eher Jungs und wir haben zusammen gesessen und haben einfach diskutiert. Und es war eine ganz, ganz tolle Zeit. Nee, es war eher so mit 14, 15. Die kamen dann und dann habe ich ein bisschen Kuchen besorgt und dann haben wir gequatscht über Gott und die Welt, haben diskutiert über Sendungsbewusstsein und über Krieg. Über all diese Themen, die uns damals so beschäftigt haben. Und es waren immer – und auch das ist so ein roter Faden – es waren immer sehr intensive Gespräche. Und ich weiß, dass ich die anderen Jungs immer cooler fand als mich. Ich weiß zum Beispiel, wir hatten einen Ralf. Ich weiß den Nachnamen nicht mehr. Ralf war bei mir in der Klasse und Ralf konnte Platinen löten. War extrem cool. Der kannte sich mit Widerständen aus und mit all diesem Zeugs, Kondensatoren und was weiß ich nicht alles und der war so mit jedem Bit und Byte so per Handschlag, so per du und ich war das überhaupt nicht.

Ich fand das cool und ich wusste, der hat eine Zukunft, der hat eine ganz große Zukunft.

Der beherrscht diese moderne Technik und der ist da interessiert und ich und der Lötkolben, das war sozusagen auf verschiedenen Planeten.
Warum erwähne ich das? Weil, du kannst dir so ein bisschen in der Erinnerung angucken, was war mit anderen Jungs oder Mädchen, was haben die gemacht und was hast du gemacht? Und zwar auch da wieder ganz genau, weil unabhängig davon, ob es dir so ging wie mir mit Ralf. Mir war klar, Ralf ist einfach richtig klasse und der hat eine riesen Zukunft und ich habe keine, weil ich irgendwie das alles nicht kann, was der kann und nicht mal so wirklich können will. Ich habe das nicht als einzigartig empfunden, also mich. Ich fand Ralf einzigartig. Definitiv. Oder Matthias. Matthias war in meiner Klasse, hat super Tennis gespielt, mega sportlich der Typ, super Fußballer, echt klasse und ein totaler Mädchenheld. Die Mädchen fanden den alle toll und der war schlank und sportlich und so. So wie man sein soll und super witzig auch, echt ein cooler. Oder Andreas, auch super schlank und sportlich, hat Tennis gespielt und so und Andreas und ich waren ein bisschen enger befreundet. Also nur in Abgrenzung zu denen, die haben sich tendenziell nicht mit diesen Mädchen getroffen, die haben mit Mädchen geflirtet und so, aber diese Problemgespräche wären nicht so deren Ding gewesen. Ich will dir noch mal ganz deutlich sagen: ich kann dir das heute rückblickend sagen, weil ich habe das damals nicht als Besonderheit wahrgenommen. Ich fand das eher komisch, dass ich Mädchen gefragt habe, ob wir uns mal treffen, ob wir irgendwie mal einen Tee trinken, uns unterhalten und dass wir dann bei intensiven Gesprächen landeten und ich das Feedback bekam: Hey, man kann sich mit dir so gut unterhalten. Nochmal. Absicht dahinter: ich wollte helfen, ich wollte kennenlernen, ich fand intensive Gespräche einfach toll.

So, das sind alles so Maßgaben, daran kannst du dich orientieren und das ergibt so eine Art von rotem Faden von Bewusstheit für dich selbst, für deine Situation im Leben für das, was für dich gut wäre.

Denn die Idee meiner Arbeit und die Idee auch hinter diesem Podcast und die Idee hinter persönlicher Veränderung ist nicht, dass du ein anderer Mensch wirst. Meine Idee ist nicht, dass ich dir eine Blaupause hinstelle von der idealen Frau oder dem idealen Mann, weil ich überhaupt nicht mehr glaube, dass es sowas gibt. Sondern die Idee ist, dass du endlich mehr der Mensch wirst, der du wirklich bist. Wir alle haben uns natürlich im Laufe des Lebens, aufgrund der Menschen, mit denen wir zusammen gelebt haben, Rollenmodelle angeschaut, wir haben uns zum Teil auch irgendwelche Masken aufgesetzt und spielen irgendwelche Rollen im Alltag und gefallen und sind in diesen Rollen gut. Und ich glaube auf der anderen Seite schon, dass je älter du wirst und je mehr Lebenserfahrung du bekommst, eine gewisse Chance besteht, dass du wächst. Und vor allen Dingen dann mehr und mehr bereit bist für deine eigenen, wir nennen die jetzt mal Schwächen. Und das sind überhaupt keine Schwächen, die andere Menschen wahrnehmen, sondern du hältst das für eine Schwäche. Und andere Menschen bestätigen dir mehr oder weniger häufig, dass es eine echte Stärke ist, die du nur nicht als Stärke siehst. So. Nur du nimmst diese Dinge an, du integrierst sie und mir ist es wichtig, dich darauf hinzuweisen, dass das kein natürlicher Vorgang ist. Das ist nicht garantiert. Ich habe das immer geglaubt, ich habe immer geglaubt wenn man als Mann älter wird, dann kriegt man diese Weisheit.

Mein Opa hat so eine schöne Weisheit gehabt, er war wirklich ein weiser Mann.

Zumindest habe ich den so empfunden. Der schwebte so über den Dingen und ich habe ihn, glaube ich, im ganzen Leben nur einmal aufgeregt gesehen, ansonsten habe ich ihn nie aufgeregt gesehen. Der hatte so eine Coolness. Der war immer sehr ordentlich gekleidet, immer im Anzug, also er wäre jetzt nicht der Jeansträger gewesen, der so Bob Marley-Style irgendwie super cool aussieht und dabei einen Joint raucht, überhaupt nicht. Er hätte Zigarre geraucht. Nur, mein Opa hatte so einen Style, der hat das Leben nicht mehr so ernst genommen. So würde ich das heute mal formulieren. Und ich fand das sehr erstrebenswert und bin auf der anderen Seite, weil das so ziemlich der einzige ältere Herr war, den ich wirklich ein bisschen näher kannte, ich bin ja immer davon ausgegangen, dass man als Mann automatisch so wird. So, ich kannte meine Oma und meine Großtante und so und ich kannte meine Oma mütterlicherseits, da gab es keinen Opa, weil der im Krieg gefallen ist. Also der ist nicht gefallen, die haben den erschossen, aber man nennt das gefallen. Und meine Oma mütterlicherseits, die war extrem cool, also das war auch ein Vorbild von einer Frau, weil die hatte ihre Kinder alleine dann großgezogen und so. Drei Kinder. Also wirklich eine besondere Person. Und meine Schwester und ich, wir haben die geliebt. Was für eine coole Oma. Nur mich hat natürlich mehr der männliche Teil interessiert. So, wie gesagt, ich hatte die Idee Älterwerden als Mann heißt zu werden wie mein Opa, so über den Dingen stehen und eine gewisse Weisheit entwickeln, eine gewisse Coolness entwickeln. Ich fand das ganz großartig. Ich habe mir immer gewünscht, dass ich eines Tages mal so werde. Vielleicht so in 40, 50 Jahren von heute könnte ich mir vorstellen, dass ich vielleicht so ein bisschen in die Richtung gehe. Das wäre mein Wunsch. Und dann habe ich durch die Beobachtung anderer Männer festgestellt, dass das keine Zwangsläufigkeit hat.

Es ist nicht zwangsweise so, dass du dich persönlich weiterentwickelt.

Es ist nicht zwangsweise so, dass du zu diesem Menschen wirst, zu dem Andere aufschauen, sage ich einfach mal. Mir geht es nicht – und das dürfte dir inzwischen klar geworden sein – um das Aufschauen. Mir geht’s nicht darum, dass du jetzt irgendwie so ein ganz toller Opa wirst, weil die Anderen dich dann toll finden, sondern ich meine eine Form von – ich nenne es jetzt einfach mal hier an dieser Stelle, ohne dass ich länger drüber nachgedacht habe – Reife. Ich tue mich so unglaublich schwer mit dem Begriff Erwachsensein, weil die meisten Erwachsenen, die ich kenne, einfach unglaublich langweilig sind. Nee, ich meine Reife. Ich meine beschäftigt haben mit sich selber, beschäftigt haben vielleicht auch mit philosophischen Themen, beschäftigt haben mit deinen Ängsten, beschäftigt mit deinen Träumen, mit deinen Wünschen, mit dir als Person.

Das Schlimmste, finde ich persönlich wenn ich ältere Menschen beobachte, ist eine Selbstgefälligkeit.

Also nachdem, was ich beobachtet habe, ich weiß nicht, was du beobachtest hast, aber nachdem, was ich beobachtet habe, ist Selbstgefälligkeit ausgesprochen gefährlich. Ja, wirklich gefährlich, weil das sind so Menschen, die ihren Kindern dauernd Tipps geben und du schaust sie dir an und denkst so: „Boah, gib mal lieber keine Tipps, hey, weil so, wie du dein Leben lebst, ist es irgendwie…“ Ja, das wäre so ein bisschen bei mir der Punkt mit meinem Dad gewesen. Mein Dad hätte immer gewollt, dass ich endlich so diszipliniert werde wie er und ja, er fand sich irgendwie schon echt cool. Ich fand ihn nicht so cool. Nur unabhängig davon, er war so sicher, dass ich auf dem falschen Weg bin und das finde ich immer schon verdächtig wenn Eltern finden, dass ihre Kinder nicht auf dem richtigen Weg sind. Ich sage dir, warum.

Ich glaube, dass Eltern, die ihren Traum leben, einen Beruf haben, der ihnen Spaß macht, sie an der richtigen Stelle im Leben sind und sich an der richtigen Stelle fühlen, kritisieren ihre Kinder nicht.

Die reden auch ihren Kindern nicht dauernd rein. Das haben die gar nicht nötig. Die kommen gar nicht auf die Idee, weil die so viel Spaß an ihrem Leben haben, die haben so viel Freude, die sind so richtig da, wo sie sind. Das ist wunderschön, Kinder zu haben und sich mit ihnen auszutauschen. Ich kann meinen Kindern an der Stelle nicht helfen, wenn sie ihre Berufung nicht finden, wenn sie ihr Leben in ein riesen Desaster verwandeln. Ich kann unterstützen, ich kann zur Not da sein, ich kann Fragen beantworten wenn es welche gäbe und typischerweise gibt’s die nicht und ansonsten schaue ich meinen Kids zu und wünsche ihnen Glück bei dem, was sie tun und wünsche ihnen, dass sie mit Leben so glücklich werden wie ich in den allermeisten Fällen, an den allermeisten Tagen glücklich mit meinem Leben bin. Weil ich weiß, ich bin genau an der richtigen Stelle. Wird es für immer die richtige Stelle sein? Vielleicht nicht, vielleicht doch. Vermutlich eher nicht. Dafür liebe ich Veränderung zu sehr und lebe die auch vor und diene auch an der Stelle als Vorbild für andere Menschen, weil ich sage: „Vielleicht war das noch nicht alles und vielleicht kann ich noch einen Schritt weiter gehen. Vielleicht gibt’s noch eine Weiterentwicklung, eine weitere Möglichkeit“.
Also, halber Schritt zurück an der Stelle. Schau mal in Ruhe hin und schau genau hin und mach dir das immer noch bewusster auch, wie gesagt, im Vergleich mit anderen Menschen, die vielleicht in deiner Schule waren.

Was war das, was die gemocht haben und was hast du im Vergleich dazu gemocht und was waren deine Vorlieben? Was hast du vielleicht mit deiner Freundin zusammen gerne gemocht?

Ich habe vielleicht noch ein anderes Beispiel für dich. Ich habe immer gerne Systeme verstanden. Ich fand es in Mathe und in Physik toll. Es waren zwei Fächer, die ich wirklich geliebt habe, insbesondere Physik, solange es noch auf Schulniveau war. Ich habe das dann mal an der Uni ausprobiert, da ging es dann nur noch um Mathematik, das hat mich nicht so interessiert. Aber die Physik, in der man Versuche macht und in der man mit Formeln beschreibt, was man vorher beobachtet hat, ja? Der berühmte Apfel, den Herr Newton vom Baum hat fallen sehen und dann eine Formel zu finden, die beschreibt, was dieser Apfel da tut. Oder wie sich ein Pendel bewegt. Das war für mich eine Physik. Und ich hatte in der Oberstufe einen fantastischen Physiklehrer von der Uni Bonn, der uns das auf großartige Weise beigebracht hat. Es hat so viel Freude gemacht. Und es war ein Fach, was mich wirklich, wirklich, wirklich begeistert hat und bis heute ist es so. Ich verstehe Systeme gerne. Ich habe natürlich heute eher mit Menschen zu tun, das heißt, was ich oder was davon geblieben ist, ist ich verstehe gerne wie Leute ticken. Ich verstehe gerne wie die funktionieren und zwar nicht, um sie zu kontrollieren. Nur, ich finde es so faszinierend Menschen bei dem zuzugucken, was sie Leben nennen und mir anzugucken, wo ihre Grenzen sind und ihre Möglichkeiten und wenn Sie wollen, dann ihnen mehr Möglichkeiten zu geben. Und es fasziniert mich. Und es hat was von einem Puzzle. Es hat immer noch was von dem Ausprobieren, von dem Prüfen, so wie damals zu Hause zu sitzen und irgendeine physikalische Formel lösen und an bestimmte Versuche mich erinnern und dann darüber nachdenken: Okay, vielleicht kann es so sein oder vielleicht kann es so sein. Und das ist heute auch ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit. Ich knoble gerne, es darf nur nicht zu lange sein. Wenn es zu lange wird, wird es blöd. Dann wird es langweilig. Ich bin nicht derjenige, der so fünf Jahre über irgendein Problem nachdenkt, das nervt dann. Das darf sozusagen in kürzerer Zeit gelöst werden, vielleicht ein paar Stunden und vielleicht ein paar Tage und dann ist es gut, dann reicht’s. So, von daher, das sind so, ich nenne das Qualitäten meines Lebens. Und genauso kannst du anfangen Qualitäten deines Lebens zu finden. Dinge, die dir Spaß machen, Freude machen, leicht fallen und so fort. Und du brauchst noch nicht den großen Zusammenhang, das ist der Grund, warum ich das erwähne. Im Moment bevor du mit der Veränderung beginnst, der persönlichen Veränderung, der Veränderung deiner Lebensumstände, ist es total schön wenn du anfängst so eine Bestandsaufnahme zu machen und diese Selbstbewusstheit zu entwickeln.

Ja, also wieder mal genug zum drüber nachdenken, zum drüber reden, zum darum kümmern.
Ich wünsche dir eine ganz tolle Woche, freue mich aufs Wiederhören oder Wiederlesen, lass es dir gut gehen.
Bis dann, tschüss.