Lass uns heute mit einer einfachen Frage beginnen: Wogegen kämpfst Du? Gegen welches Gefühl wehrst Du Dich oder wovor läufst Du genau weg?

Ich habe für mich festgestellt, dass die allerallerallerallermeisten von uns die meiste Energie dafür aufwenden, ungeliebte Zustände zu verändern, zu bekämpfen, zu überwinden oder sonstwie zu beseitigen. Stop mal kurz, möglichst jetzt mal nicht einfach nur weiterlesen. Haaaaallllllooooo! Stop!

Du erlaubst dem Leben nicht so zu sein, wie es ist. Was wäre, wenn Du die Fakten annimmst, wenn Du hinschaust? Ich weiß, das tut mindestens bei einigen von uns sehr weh, ist schmerzhaft! Deshalb darfst Du jetzt am besten gleich eine der wohl wichtigsten Entscheidungen treffen, die es in Deinem Leben zu treffen gibt: Willst Du weiter wegrennen und so tun, als ob nichts wäre? Oder bist Du bereit hinzuschauen und ehrlich zu sein oder zumindest zu werden?

Als zusätzliche Hilfe: mögliche Themen

Gerne helfe ich Dir mit passenden Fragen, die Dich dabei unterstützen können die Themen zu finden, bei denen Du hinschauen darfst:

  • Was magst Du an Dir nicht und gestehst es Dir nicht offen ein, weil die damit verbunden Gefühle zu unerträglich sind?
  • Wer nervt Dich immer wieder und was genau stört Dich an dieser Person?
  • Was macht Dir ein schlechtes Gewissen?
  • In Bezug zu welchem Thema oder welcher Person gegenüber fühlst Du Dich schuldig, klärst das Thema aber nicht?
  • Was müsstest Du in Deinem Leben ändern (Essverhalten, Sport, Beziehung und so weiter), wenn Du ganz ehrlich wärst?
  • Wo belügst Du Dich oder andere absichtlich, um die Wahrheit nicht sehen zu müssen?
  • Welches Ziel erreichst Du nicht, weil Du Dich von anderen oder den Umständen bremsen lässt?
  • Bei welchem Thema bist Du zu faul und schiebst es deshalb seit Jahren vor Dir her?
  • Gegen was kämpfst Du an, weil es sich so schlecht anfühlt?
  • Welchen Konflikt vermeidest Du vielleicht schon seit Jahren?
  • Welchen Menschen hast Du lieber von Dir weggestoßen, anstatt Dich mit ihm zu beschäftigen?
  • Welche Beziehung müsstest Du schon längst beendet haben, aber Du findest Ausreden, warum Du es nicht tust?
  • Wo im Job könntest Du mehr leisten und besser performen?
  • Welches inhaltliche Thema (Kompetenz) schiebst Du seit Jahren weg, obwohl Du es lösen könntest, wenn Du lernen, Dich informieren oder schlicht mehr anstrengen würdest?
  • Was kritisierst Du an anderen Menschen, Deiner Firma, dem System oder an anderer Stelle? Was ist das Muster?

Das sind natürlich nur einige Themen, die hier angesprochen werden, und Du darfst das einer genauen Prüfung unterziehen, was für Dich zutrifft. Eine Liste zu machen und genau aufzuschreiben, was es jeweils genau ist, würde helfen. Ob Du die Liste machst? Das liegt an Dir.

Stell Dich Deinen Gefühlen

Das entscheidende Ergebnis, zu dem Du gelangen wirst, wenn Du diese Fragen ausführlich und mit ein bisschen Zeit bearbeitest und ehrlich beantwortest, wird sein, dass Du unterdrückte Gefühle in Dir entdeckst, vor denen Du vielleicht schon seit Jahren wegläufst. Zumindest ist das meine Erfahrung und die Erfahrung der vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, mit denen ich diese Übung in den vergangenen Monaten gemacht habe. Weil wir so viel Angst davor haben, stehen zu bleiben, uns umzudrehen, und diese Gefühle einfach wahrzunehmen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es genau um dieses Thema geht. Hör auf wegzulaufen!
Und dieses „Weglaufen“ ist nicht einmal wörtlich gemeint. Manche Menschen laufen allein dadurch weg, dass sie das Gefühl einfach wegdrücken, so tun, als wäre es nicht da. Eventuell kommt dann auch Alkohol ins Spiel oder andere Drogen, damit die bedrohlichen Gefühle nicht wahrgenommen werden müssen.

Die andere Spielart, vor den eigenen Gefühlen wegzulaufen, ist der Kampf gegen die unerwünschten Zustände. Menschen schuften viele Stunden am Tag, weil sie so viel Angst haben, nicht genug Geld zu haben. Doch worum geht es dann wirklich? Es geht doch nicht um Geld! Es geht um die befürchteten Konsequenzen, darum, was sie glauben, was passieren wird, wenn sie nicht genug Geld verdienen. Und dahinter befindet sich dann die konkrete Angst, um die es wirklich geht. Das kann die Angst vor Einsamkeit sein, davor, dass Du Dich unter der Brücke verhungern siehst oder dass andere über Dich lachen. Davor rennst Du in Wirklichkeit weg, vor diesen Gefühlen. Das ist meine These.

Der Schmerz könnte das sein, worum es geht

In anderen Zusammenhängen geht es um den Schmerz der Erkenntnis. Lass mich Dir ein Beispiel geben: Hast Du in einem bestimmten Lebensbereich Schuldgefühle? Am besten wäre ein Beispiel, bei dem Du Schuldgefühle einem anderen Menschen gegenüber hast, zum Beispiel weil Du etwas versäumt hast zu tun, was wichtig gewesen wäre für diesen anderen. Und Du gibst Dir jetzt selbst die Schuld dafür, dass Du es nicht getan hast. Lass uns auch da nur für Dein Verständnis genauer hinschauen:

Du meidest vielleicht bisher das Thema, und wenn ich Dich danach fragen würde, dann würdest Du eben nur von den Schuldgefühlen sprechen, die Dich plagen. Ganz allgemein gesprochen handeln Schuldgefühle doch davon, dass Du nicht so gehandelt hast, wie Du denkst, Du hättest handeln müssen. Damit setzt Du Dich Deiner eigenen Kritik aus und gegebenenfalls auch der Kritik eines anderen Menschen. Du bist also sozusagen kritikwürdig geworden.
Bitte schau Dir jetzt einfach mal genau diese Kritik an. Sie handelt, allgemein gesprochen, von einem Manko in Dir oder Deinem Verhalten. Doch nehmen wir einfach mal an, dieses Manko, dieser Fehler sei wirklich in Dir oder an Dir. Geh doch bitte mal in dieses Gefühl hinein. Was findest Du dann heraus?

Vermeidest Du die Erkenntnis, dass Du fehlerhaft bist? Und es könnte konkret bedeuten, dass die bisherigen Schuldgefühle Dir lieber sind, als Dir eingestehen zu müssen, dass es einen Fehler in Dir und Deinem Verhalten gibt, dass Du Dich vielleicht sogar (in dieser Situation) böse und gemein verhalten hast, hinterhältig oder so ähnlich. Was wäre, wenn Du also ein böser, hinterhältiger Mensch bist? Geh bitte auch in dieses Gefühl hinein, wenn das das Thema sein sollte. Fühl genau hin. Das ist der Schmerz, vor dem Du wegrennst.

Doch was wäre, wenn Du diesen Schmerz fühlen würdest? Wenn Du Dich nicht länger betäubst, sondern einfach die Wahrheit nimmst und erträgst und fühlst und annimmst ohne wegzurennen oder ein Pflaster draufzukleben. Ich habe es für Dich ausprobiert und es passiert folgendes: Das Gefühl des Schmerzes verschwindet in dem Moment, in dem Du es als okay und richtig annimmst und anerkennst. Solange Du vor dieser Erkenntnis und diesem Gefühl weg läufst, wird es immer weiter hinter Dir her rennen – bildlich gesprochen. Dadurch, dass Du jetzt hinschaust und hinfühlst, kann das Gefühl, dass schon seit Jahren in Dir ist, sich endlich offenbaren und sich Dir zeigen und von Dir angenommen werden.

Gute und (!) schlechte Gefühle annehmen lernen

ist doch logisch: Wir Menschen wollen am liebsten nur gute Gefühle haben, weil eben die schlechten Gefühle so doof sind. Und weil unsere Eltern uns beigebracht haben, dass man schlechte Gefühle meiden muss. Doch was wäre, wenn Du jetzt beginnst mit Deinen schlechten Gefühlen ebenso Frieden zu schließen wie mit Deinen guten Gefühlen. Schlechte Gefühle bedeuten schließlich einfach nur, dass Du über etwas nachdenkst oder etwas befürchtest oder planst, was Du nicht magst. Und das Ergebnis ist, dass das schlechte Gefühl Dir zeigt, dass Deine Gedanken die Richtung ändern dürfen. Das ist schon alles. Schlechte Gefühle sind nicht gefährlich, sie sind ein Hilfsmittel für Dich, zu erkennen, in welche Richtung Du energetisch unterwegs bist.

Gefühle sind damit, und das weißt Du natürlich schon, wenn mir schon seit längerer Zeit zuhörst oder meine Texte liest oder in meinen Seminaren bist, ein Wegweiser, ein Navigationssystem für Dich. Lass uns kurz in dieser Metapher bleiben: Nehmen wir an, ein gutes Gefühl würde dem Hinweis Deines Navigationssystems entsprechen, rechts abzubiegen, und ein schlechtes Gefühl würde dem Hinweis entsprechen nach links abzubiegen. Dann würdest Du in Deinem Leben immer nur nach rechts abbiegen und in dem Fall, dass ein Navigationssystem Dir das Linksabbiegen empfiehlt, würdest Du das Kommando einfach ignorieren, weil Du eben das Linksabbiegen nicht magst.

Wird Dir jetzt gerade deutlich, wie unsinnig dieses Verhalten ist? Du würdest einfach nicht zum Ziel kommen, weil Du eben etwa die Hälfte der Hinweise Deines Navigationssystems schlicht wegignorieren würdest. Andere Menschen, wie etwa ich in meiner Rolle als Trainer, würden das sofort mitbekommen, wenn sie Dich beobachten. Und genau das geschieht in meinen Seminaren, ich bekomme genau mit, wer sich in welcher Weise verhält. Und das nehme ich als Basis meiner Arbeit für Deine persönliche Veränderung, damit Du wirklich glücklich werden kannst.

Also nimm Dir bitte ein bisschen Zeit, um über das Thema dieses Monats nachzudenken und es in Deinem Alltag auszuprobieren. Ich weiß, da warten nicht die besten Gefühle auf Dich und manche alte Situationen können Dich auch im Nachhinein noch in Angst und Schrecken versetzen. Ich verspreche Dir allerdings, es ist diese Reise wirklich wert ist, denn so können die alten Gefühle heilen und Du kannst noch besser als jemals zuvor lernen, wer Du wirklich bist. Am Ende wirst Du auf diese Weise zu einem Menschen, der sich selbst so annimmt, wie er ist. Und ich glaube, nein, ich bin fest davon überzeugt, dass dies die Voraussetzung für eine liebevolle und sanfte Entwicklung hin zum Leben Deiner Träume ist.